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(Paul Watzlawick, Kommunikationsexperte und Philosoph)

09.02.2016

Die Zukunft der Skiregionen in 7 Schritten erfolgreich angehen

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Klimawandel, kaum Skifahrer-Nachwuchs, kürzere Urlaubsdauer, zunehmende Konkurrenz, ausufernde Kosten für Beschneiung – wo liegt die Zukunft der Skiregionen? Welche Geschäftsfelder bieten Potential und wie kann man auch in Zukunft die Region erfolgreich bewirtschaften?

Hintergrund dieses Artikels sind die Vorträge der Fachbesuchertage auf der Wiener Ferien-Messe 2016. Dort lud der Club-Tourismus zum Thema “Zukunft des (Winter-)Tourismus in alpinen und nichtalpinen Regionen” ein. Dabei sind diese Themen keineswegs was neues – vielmehr ist es ein langanhaltender Trend, der unaufhaltsam voranschreitet. Die Reaktionen der Winter-Tourismus-Regionen sind dabei sehr unterschiedlich.

Dieser Beitrag soll neue Ideen und Lösungsmöglichkeiten erörtern um in eine nachhaltige Zukunft zu steuern.

Für Regionen um die 1000m sieht es schneetechnisch schlecht aus…

Dr. Bernhard Kletter, ehemaliger ORF-Wettermann, zeigte anhand von Daten harte aber klare Fakten:

  • Die Erderwärumung im Alpenraum ist dopppelt so hoch wie in den Niederungen
  • Anstieg der Schneefallgrenze
  • Geringere Schneedeckendauer und allgemeine Schneehöhe
  • Schneeprognose für Herbst ist in Gebieten unter 2000m mit knapp 18% sehr schlecht (aber ab Dezember ok), bei 1000m liegt die Schneewahrscheinlichkeit im Herbst bei mageren 7%

Das heißt, dass es in Zukunft öfters so sein wird wie diesen Winter 2015/2016: weiße Linien, die eine braune Landschaft durchschneiden. Die künstliche Beschneiung sorgt zwar für ausreichend Unterlage jedoch ist der Kunstschnee härter, das Skifahren anstrengender und es macht auch nicht so viel Spaß wenn alles rundherum in Braun und Grün getüncht ist.

Damit einher geht der stark steigende Ressourcenverbrauch: Speicherseen müssten stark erweitert werden, Stromkosten und Personaleinsatz erhöhen sich noch weiter und das macht die Nutzung der Region während des Sommers noch unattraktiver. Die steigenden Umweltkosten sind auch gesellschaftspolitisch ein Problem – immer mehr Menschen neigen dazu “Wirtschaftsaufschwung um jeden Preis” abzulehnen.

Da kommt es oft dazu, dass die Gäste nicht mehr alle vor Ort gebuchten Tage Skifahren sondern auch Wandern gehen, einen Thermen-Tag einlegen oder sich die Region etwas anschauen. Die Auslastung der Bergbahnen wird dadurch weiter sinken und die Beschneiung noch unrentabler machen.

Es ist daher alles andere als ratsam weiterhin sich als “Skiregion” zu vermarkten, sondern es wäre hilfreich sich rechtzeitig zu einem “Wintersport-Ort” – losgelöst vom Schnee – zu verwandeln. Viele nennen sich zwar so aber es wird immer noch mit der perfekten Schneelandschaft geworben!

Image-Wandel und Transformation: Zukunft der Skiregionen in 7 Schritten

Das Problem ist zu vielschichtig um eine einfache Lösung dafür zu haben. Investitionen brauchen ein “Commitment” zur Benutzung was wiederherum die Weichen für einige Jahre stellt. Dabei ist ein Wandel des Image der Regionen angesichts der Veränderungen von Natur und Gesellschaft, stark zu forcieren.

Um eine Region neu zu positionieren sind vor allem 7 Schritte nötig:

#1 digitale Transformation

Dazu gehört digitale Besucherlenkung, die “natürliche Benutzung” von Technologien um den Kundennutzen zu erhöhen. Keine leeren und inhaltslosen Kommunikationskanäle sondern nur jene, die echten Mehrwert bieten. Keine Apps, die lediglich das Wetter, die Pistenkarte und maximal einen Kalorienzähler anbietet, sondern gute Inhalte durch professionelles und durchdachtes Content-Management.

#2 Der Region eine übergeordnete Identität geben

Meistens fungieren Landschaftselemente als Identitätsgeber – sei es ein See, ein bestimmter Berg oder auch künstlich erschaffene Objekte. Was es weiter braucht ist eine Medien- und Leistungsträger-übergreifende Geschichte – die Marke!

Die Marke muss durchgängig und von allen gelebt sein, sonst ist sie nicht authentisch. Dazu braucht es starke Werte und eine starke Geschichte, die identitätsfördernd wirkt. Eine klare Marke bringt Leistungsträger an einen Tisch, die Region identifiziert sich damit und die Gäste bekommen mehr Orientierung wofür die Marke steht. Das wirkt emotionalisierend und hebt eine Region von den anderen, oft farblosen Marken, ab.

#3 Partizipative Budgetquellen erschließen

Die Regionen müssen weg vom alten Modell wo nur einige wenige (Hoteliers) zahlen. Das ist weder fair noch sorgt es dafür, dass eine korrekte Interessensvertretung seitens der DMO möglich wird. Egal ob das die öffentliche Hand über Fördermittel macht, die Reisenden Abgaben zahlen oder die private Wirtschaft (PPP-Modelle) eingebunden wird. Nur das sorgt für die notwendige Motivation für Veränderungen.

#5 Service ist das neue Marketing

Packages sind gut und kommen gut an – fehlt aber die Servicequalität, dann fühlen sich die Gäste sehr schnell schlecht behandelt mit allen negativen Folgen. Im Umkehrschluss ist es möglich durch besonders gutes Service aus der Masse an Anbietern hervorzustechen. Wie das geht?

Durch die Berücksichtigung der Kundenwünsche und gleichzeitigem Bedienen der Kundenängste. Mit Hilfe von Service-Design werden Kundenbedürfnisse und -Ängste analysiert und daraus Services entwickelt. Dadurch entsteht ein rundes Produkt welches für begeisterte Gäste sorgt.

#6 Produktentwicklung mit Inszenierung

Bisher fokkusieren sich “Innovationen” meist auf das Erweitern von alt-bekanntem. Dabei gibt es aber nur ein Problem: es ist alt-bekannt und interessiert keinen mehr. Noch eine Aussichtsplattform, noch ein Bike-Park, noch ein Ski-Park, … kennt man ja alles!

Was es braucht sind inszenierte, frische Ideen wie etwa “Ankommen, Ultra-Local, Begegnen, Zeit, sich “erden”, temporäre Heimat, Geborgenheit, Glück;”! Zum Beispiel kommen die Speisen aus dem Umfeld von maximal 70km Entfernung, es gibt Ruheplätze in der Landschaft, geführte Wanderungen wo alle Sinne angesprochen werden, “Glück finden” als übergeordnetes Thema einer Region, “temporäre Heimat” für weniger stark frequentierte Orte, etc…

Außerdem brauchen Produkte Inszenierung – sonst sind sie tot. Menschen brauchen Vorbereitung auf etwas Neues – wie in einem guten Trailer, der Lust auf den Film macht, so brauchen die Gäste vorab einen Appetithappen. Aber die Idee geht noch weiter – der Eingang, die Zufahrt oder der Weg zum Ort muss auch bereits inszeniert werden und auf das bevorstehende Erlebnis vorbereiten.

Dabei ist keine Disneylandisierung gemeint, als ein durchgängiger Ansatz der die übergeordnete Geschichte von der Ankunft bis zur Abreise erzählt.

#7 Fokus auf “während” und “nach” der Reise!

Auch die Phasen der Reise gehören eingebunden: vor, während und nach der Reise. Leider wird oft nur die erste Phase berücksichtigt und sobald die Menschen in die Region kommen, hört die Betreuung auf. Was fehlt, sind richtig gute und gelungene Ideen und Konzepte zur Besucherlenkung, zur Information und zum Erlebnis-Design.

Auch “nach” der Reise geht über reine Stammgästeprogramme hinaus. Es ist nicht genug Wandernadeln anzubieten oder danach eine Postkarte zu schicken. Das Service geht nach der Reise weiter und die Menschen schätzen es, wenn man zur richtigen Zeit relevantes Service bietet!

Das bedeutet Kundendaten aufzubereiten was gleichzeitig bedeutet, “smarte” Datenbanken zu erschaffen. Viele Regionen haben keine Systeme um “Smart Data” auch einzusetzen: es braucht eine moderne, digitale Infrastruktur mit Anbindung aller Betriebe. Nur dann kann man sinnvollen Nutzen stiften!

Fazit: neue Pfade gehen, Services ausbauen, Profil schärfen und ganzheitlichen Ansatz verfolgen

Die Zukunft der Skiregionen wird stark davon abhängen welche Schritte demnächst gesetzt werden. Aufgrund der späten Gewinnschwellen bei großen Investitionen ist es wichtig schon heute die optimalen Ideen zu verfolgen.

Ansätze wie Service-Design helfen konkrete Ideen und Geschäftsmodelle zu entwickeln, die die Gewinnträger der Zukunft sein können. Um was die Regionen auf keinen Fall herumkommen ist die genaue Auseinandersetzung mit der Materie und der genauen Beobachtung aktueller Trends.

 

Mehr erfahren über Service-Design!

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