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(Paul Watzlawick, Kommunikationsexperte und Philosoph)

11.12.2014

Zehn Tipps, wie man die Nahversorgung sichern kann!

Bevölkerungsveränderung nach Gemeinden 2001-2011. Quelle: Statistik Austria

Mit der Nahversorgung ist es in manchen Gebieten in Österreich nicht gut bestellt. Zu wenig Geschäfte, zu wenig Kunden, zu viel Wettbewerb? In der Raumplanung geht es uns darum, allen Menschen gleichwertige Lebensverhältnisse zu ermöglichen. Wo sind also die Gebiete, in denen es Probleme mit der Nahversorgung gibt oder geben wird? Und was können wir dagegen tun?

Gewinner und Verlierer

Der demografische Wandel spielt eine wichtige Rolle bei dieser Sache. Prinzipiell werden immer mehr Menschen immer älter (doppelte Alterung), immer mehr Menschen leben alleine (Singularisierung), und die Bevölkerung wird immer diverser durch Immigranten und steigende Individualisierung (Heterogenisierung). Wen’s genauer interessiert, hier geht’s zu den Details.

Es gibt also Räume in Österreich, in denen die Bevölkerung wächst, und welche, in denen die Bevölkerung schrumpft. Gewinner sind suburbane Gemeinden, zweisaisonale Tourismusgemeinden, und Gemeinden mit guter Verkehrsanbindung. Verlierer sind Kernstädte und strukturschwache Landgemeinden.

Nahversorgung? Zehn Lösungen!

Gerade bei den Verlierern können Probleme mit der Nahversorgung auftreten. In strukturschwachen ländlichen Räumen schrumpft die Bevölkerung bei gleichzeitiger Zersiedelung. Auch Kernstädte sterben aus, Bewohner werden weniger und Leerstand macht sich breit. Suburbane Räume haben ein anderes Problem: Sie wachsen stark, altern aber auch sehr stark. Durch die schnelle Expansion und die extreme KFZ-Orientierung konnten sich meist keine Nahversorger etablieren.

Strukturschwache ländliche Räume

1. Multifunktioneller stationärer Nahversorger
Mit der zahlenmäßigen Bevölkerungsabnahme schwindet meistens auch die Kaufkraft. Die Zukunft liegt daher in der Bündelung von Geschäftsbereichen: Einkauf, (einfache) Bewirtung und Postdienstleistungen (vielleicht auch noch mehr!). Dabei haben diejenigen Nahversorger eine bessere Überlebenschance, die bereits bestehen und ihr Angebot erweitern. Bestehende Anbieter sind auch Gasthäuser und Postservicestellen.  Neueröffnungen (z.B. vereinsmäßig betriebene Nachbarschaftsläden) haben ein geringeres Potential. Unser Beispiel hier kommt aus Schleswig-Holstein.

2. Gast-Kauf-Haus
Im ländlichen Raum gibt es relativ viele Gasthäuser, die sich teilweise anbieten auch eine Kaufhausfunktion zu übernehmen. Früher war diese Kombination auf dem Land durchaus üblich, heute wird sie aufgrund folgender Synergien neu entdeckt:
- die Gastronomie ist Frequenzbringer für das Lebensmittelgeschäft und umgekehrt
- das vorhandene Personal wird besser ausgelastet
- von den längeren Öffnungszeiten der Gastronomie profitiert auch das Lebensmittelgeschäft
- diese Kombination kann auch in kleinen Ortschaften gewinnbringend geführt werden

3. Das virtuelle „Kaufhaus zur Post“
Auch die Post bietet sich für einen Einstieg in die Nahversorgung an. Es gibt nach wie vor ein relativ dichtes Netz an Postservicestellen, die optimal mit technischer Infrastruktur und vor allem Internet ausgestattet sind. Online-Lebensmittelbestellungen können täglich von den Briefträgern an die Haushalte geliefert werden.

4. Hauszustellung durch Nahversorger
Auch am Land wird die Nachfrage nach Hauszustellungen steigen. Grund: immer mehr ältere Menschen, steigende Frauenerwerbstätigkeit und immer weitere Einkaufswege. Die Hauszustellung kann von örtlichen Bäckern, Fleischern oder Lebensmittelhändlern organisiert werden. Aber auch Gasthäuser können so ein neues Geschäftsfeld erschließen, etwa im Catering für Altenheime oder Betreutes Wohnen. Dass immer mehr Menschen mit dem Internet gut vertraut sein werden, kommt der Hauszustellung prinzipiell zugute.

5. Dorfbus
In stark zersiedelten Gemeinden oder bei weitgestreuten Ortschaften ist die Installation eines Dorfbusses innerhalb der Gemeindegrenzen eine sinnvolle Lösung. In der Regel ist der Dorfbus als Verein organisiert. Die Mitglieder des Vereins befördern die Kunden gegen eine geringe Aufwandsentschädigung von Haus zu Haus. Anruf genügt! Vor allem ältere Menschen finden das eine bequeme Lösung. Immer mehr Landgemeinden (ein Beispiel von vielen: Schattendorf im Burgenland) zeigen bereits Interesse an dieser kundenfreundlichen Mobilitätslösung.

6. Nicht mehr zersiedeln!
Existenzgrundlage eines Vollsortimenters sind mindestens 700 Einwohner im fußläufigen Einzugsbereich. Daher wollen wir noch mal betonen: das Vermeiden von Zersiedelung ist auch im Hinblick auf die Nahversorgung absolut wichtig!

Kernstädte

7. Convenience-Stores
Das Angebot dieses Geschäftstyps kommt gerade älteren Menschen und Singles entgegen: kein breites Warensortiment, aber Tiefkühlprodukte, Halbfertigprodukte, einfache warme Speisen, Getränke. Beispiele dafür sind „Onkel-Muhammed-Läden“, die sich meist durch unübliche Öffnungszeiten auszeichnen, oder „Tante-Emma-Läden“, die von großen Lebensmittelketten im Franchise-System mit beschränktem Warenangebot und kleinen Verkaufsflächen betrieben werden.

Suburbane Räume

8. Mobile Verkaufsläden
Ein rollender Supermarkt fährt nach einem bestimmten Fahrplan und entlang vereinbarter Haltepunkte. Die Kunden bewegen sich in den Verkaufsräumen wie in einem kleinen Selbstbedienungsladen und zahlen beim Verlassen des Containers. In der Schweiz hat diese Verkaufsform schon Tradition! Nachteil ist aber, dass viele potenzielle Kunden tagsüber nicht zuhause sind (Berufspendler).

9. Hauszustellung durch professionelle Anbieter
Immer mehr Lebensmittelketten und eigenständige Hauszusteller bringen Lebensmittel und Haushaltsartikel direkt nach Hause. Bestellen kann man im Internet (oder Katalog), die Waren werden innerhalb eines Tages geliefert. Besonders älteren Menschen und berufstätigen Singles kommt das entgegen.

10. Nachbarschaftslokale
In suburbanen Siedlungen fehlen oft nicht nur Geschäfte, sondern auch Gastronomiebetriebe. Diese Lücke kann durch Nachbarschaftsinitiativen geschlossen werden, die zum Beispiel von rüstigen SeniorInnen errichtet und betrieben werden. Die Räumlichkeiten und Einrichtung der Gaststätte kann von der Gemeinde zur Verfügung gestellt oder wenigstens finanziell unterstützt werden.

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