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(Paul Watzlawick, Kommunikationsexperte und Philosoph)

13.09.2012

Zukunft Zielgruppe Familie im Tourismus? Ja – aber nicht wie wir sie kennen.

Adweek veröffentlicht eine Infographic zu einer Studie von Time und Mindshare zu den "neuen" Typen des Familienverbandes

Den Stereotyp “Familie” verwenden Marketing-Menschen gern und gut inflationär, wandelt man auf der ITB oder anderen großen Ferien-Messen ist Familie neben Kultur und Natur schlechthin DAS Marktingthema. Ob THEMENMARKETING nach wie vor zeitgemäße Strategie im Tourismus ist, setzen doch fast alle DMOs auf gleiche oder ähnliche Marketingthemen. Ob mit thematischer Fokussierung Alleinstellung von Tourismusmarken erreicht werden kann, bleibt an dieser Stelle ( heute noch) unbeantwortet, geschätzte Leser und -innen mögen sich ihren Teil und der tourismusdesignerInnen Meinung dazu selbst zusammenreimen. Es geht auch nicht darum, dass derselbe Mensch oft als Familie und dann eben genau nicht als Familienmitglied angesprochen, beworben oder medial erreicht werden will.

Ziel des heutigen Blogartikels ist vielmehr hier kurz und schmerzlos mit dem Irrtum aufräumen, die Familie sei die perfekte Zielgruppe. Die Familie als stereotypische Zielgruppe gibt es nicht. Je fragmentierter die Lebensräume der Menschen werden, je flexibler und bereisbarer, je schneller und interaktiver die Gesellschaft reagieren kann – desto dynamischer werden auch die micro-gesellschaftlichen Einheiten und Zweckgemeinschaften, vielerorts unter dem Oberbegriff Familie geclustert. Adweek hat dazu eine wunderschöne Infografik veröffentlicht, die Anlass dieses Blogposts ist und unseren TouristikerInnen zu denken geben sollte:

Adweek veröffentlicht eine Infographic zu einer Studie von Time und Mindshare zu den "neuen" Typen des Familienverbandes


Menschen in diesen Micro-Einheiten sind längst dabei individuelle Bedürfnisse zu befrieden denn familiäre Gemeinsamkeiten in den Mittelpunkt zu stellen. Dabei will ich hier nicht in Richtung “verlorene Werte” schreiben. Die Auferstehung des Begriffes “Heimat” zeigt hier einen hohe Nachfragen nach “Wertigem”, modern interpretiert und lässig daherkommend in Form von Hirschgeweih in Trendbars, auf H&M Pullovern und als Innendekoration, Guerilla Bakery mit traditionellen Vorarlbergischen Rezepten, Schnittmuster-Tauschbörsen in Werbeagenturen und steigende Nachfrage nach Volkstanzgruppen und Almdudler-Pärchen, -Bällen und sonstigem nostalgischen Schick.

Vielmehr geht es darum, daß 52% der Ehen in Wien geschieden werden, Patchwork-Familien die Regel als die Ausnahme sind. Dabei kann Vater mit der Stieftochter schon, die aber nicht mit dem langweiligen Stiefbruder und der hält aber nichts von Weihnachten mit seiner “angeerbten” Stiefgroßmutter zu Hause im trauten Heim.

Reisegewohnheiten und -Bedürfnisse von Familien ändern sich somit rapid. “Single mit Kind” – Angebote sind aber im Alpentourismus noch Rarität. Noch weniger findet man Angebote für “Patchwork”-Families für die Familienzusammenführung sehr bedeutend ist, barrierefreie Angebote für Oma-Opa-Eltern, “Kinder-WGs” wo sich die getrennten Eltern mit dem Besuch im Urlaub abwechseln, oder einfühlende Angebote für gleichgeschlechtliche Eltern. Die Autoren der Studie von Time und Mindshare “Connecting with Today’s Families” beweist, daß Familien aus nicht-traditionellen Haushalten zu den am stärksten wachsenden Familien-Segmenten zählen. Ob der Größe und steigenden Marktattraktivität verwundert es doch sehr, dass diese “neuen” Familien von der Reiseindustrie fast ignoriert werden. Gängige Marketing- und PR-Botschaften und unflexible Pauschalreise-Arrangements der Reiseveranstalter diskriminieren viele dieser attraktiven Zielgruppen sogar. Dabei stellten die Autoren der Studie fest, dass in den USA nur mehr 20% der Menschen noch im “normalen” – sprich traditionellen Familienverband leben.

Also geschätzte TouristikerInnen und HotelierInnen: Wann gibt es endlich die ersten Patchwork-Destinationen, Oma/Opa/Kind-Pauschalen, Single-mit-Kind Hotels oder Lesben-mit-Kind-Wanderwochen. Die Zielgruppen sind schon da, wie der folgende 2. Teil der Infografik zeigt. Viel Spass beim Schmökern und Nachdenken über neue touristische Geschäftsmodelle …

TIME and MIndshare Studie zu Typen von Familien in den USA, 2012

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