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(Paul Watzlawick, Kommunikationsexperte und Philosoph)

31.01.2011

Migrationsland. Neue Heimat und Urlaubsland?

Freizeit in Berlin - Grillen im Park. Foto: Lispeltuut_flickr

Die Zukunft von Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft stand beim 1. Tullner Zukunftsforum am 28. Jänner im Mittelpunkt. In der von der HAK/HAS Tulln organisierten Veranstaltung gaben renommierte Praktiker und Experten interessante Einblicke und Ausblicke auf die Herausforderungen der Gegenwart und deren Auswirkungen auf die Zukunft. Einer der Referenten war der Bevölkerungswissenschaftler Univ.Prof. Dr. Rainer Münz, Mitglied der EU-Reflexionsgruppe “Horizont 2020-2030″ und Leiter der Forschungsabteilung der Erste Group in Wien.

Dr. Münz: Die Lebenserwartung steigt täglich um sechs Stunden. Wir sind die langlebigste und kinderloseste Generation, die es je gegeben hat. Seit den 50er-Jahren haben sich die Geburten halbiert. Der  bevorstehenden “Überalterung” der Bevölkerung kann auf unterschiedlichen Arten begegnet werden:

A – Intelligentes Schrumpfen (z.B. Stadtrückbau in Dresden)
B – Wachsen durch Erweiterung (EU)
C – Mehr Menschen in den Beruf (Länger arbeiten bis zur Pension, frühere Rückkehr von Müttern in den Beruf, weniger Teilzeitarbeit)
D – Staatsschulden reduzieren (Aussicht derzeit: mehr Schulden, weniger Steuerzahler)
E – Zuwanderung fördern (mehr Anreize für ausländische Arbeitskräfte)

Europa blickt auf eine 400 Jahre lange Geschichte der Auswanderung (Kolonien) zurück, während Einwanderung in Österreich erst seit 25 Jahren ein Thema ist.

Die stärkste Zuwandern verzeichnet Österreich aus diesen Staaten:
1. Deutschland
2. Serbien/ Montenegro/ Kosovo
3. Bosnien-Herzegowina

Für mich stellen sich nun folgende Fragen:
Welche Chancen entstehen durch die steigende Zuwanderung für den Tourismus?
Wie reagiert Österreichs Tourismuswirtschaft auf die verstärkte Migration?
Wie und wo verbringen Zuwanderer ihre Freizeit?
Welche Migranten machen am ehesten Urlaub und wo?

Über das Urlaubsverhalten von deutschtürkischen Menschen schrieb 2009 die Fachjournalistin Semiran Kaya auf der Website der Deutsch Islamischen Konferenz: ”Noch verläuft der Urlaub der dritten Generation meist abhängig von den Eltern. Doch eine Tendenz der dritten Generation zu mehr Hotelurlaub und weniger Familienbesuchen.” Dieter Schenk, Bereichsleiter bei der Robinson Club GmbH, davor Managing Director bei der Turkon Holding, resümierte damals im selben Artikel: “Während die Türken im Land meist in großen Gruppen oder mit Familien den Hotelurlaub verbringen, sind Deutschtürken, die eher für sich reisen, in der Regel viel aktiver, sportlicher und konsumfreudiger.” Und die – nicht durch Zahlen bestätigte – Prognose im Bericht lautete: “Deutschland: Nicht nur neue Heimat, sondern auch neues Urlaubsland.”

Das Freizeitverhalten von Ausländern war in der Freizeitsoziologie bisher ein vernachlässigter Forschungsbereich. Ein paar Anhaltspunkte liefert Katrin Wilde in ihrer 2007 veröffentlichten Diplomarbeit  (Freizeit – Integration – Gender. Freizeitverhalten türkischstämmiger Mädchen und Frauen).

Fazit: Es müssen Szenarios entworfen werden,  die aufzeigen, wie die kulturellen Unterschiede in der touristischen Produktentwicklung integriert werden können. Wir müssen genauer über die Urlaubserwartungen und Bedürfnisse von Migranten Bescheid wissen, um angemessen und zeitgerecht agieren zu können.

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