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“Man kann nicht nicht kommunizieren.”

(Paul Watzlawick, Kommunikationsexperte und Philosoph)

02.11.2010

Facebook “verschenkt” touristische Fanpages – willkürlich!

Facebook Page Wien mit Post zur Zusammenführung mehrerer Wien-Seiten

Seit rund 10 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Markenführung im Tourismus. Die letzten Jahre habe ich als Internet-Stratege der Österreich Werbung viel über Online Brand Management im Tourismus nachgedacht. Als Kommunikations-Coach ist digitale Markenführung inzwischen mein Spezialgebiet geworden – es gibt wenig ausgebildete Kommunikations-Experten die sich auf das (technisch anmutende) digitale Feld wagen. Und vielen Web-Agenturen fehlt schlichtweg fundierte Ausbildung in den Bereichen Markenführung, Marketing, Werbe- und Mediaplanung, Marktforschung und PR.

In den letzten Jahren hat darüberhinaus eine Revolution der Kommunikation von Marken stattgefunden. Menschen werden zu Botschaftern, Multiplikatoren, “Pressesprechern” von Marken die sie lieben. Die Plattformen auf denen dies passiert finden sich überwiegend im Social Web. Allen voran der aktuelle Shooting Star Facebook – mit rund 550 Mio Usern weltweit Monopolist und unangefochtener Marktführer der Social Media Szene. Doch wie schon oft in der Geschichte nützen Monopolisten ihre Macht oft willkürlich, manchmal geradezu diktatorisch aus. So wie derzeit gerade geschehen: Facebook “verschenkt” touristische Fanpages – willkürlich! Eine vergleichbare Vorgehensweise ist mir in 10 Jahren Brand Management im Tourismus noch niemals untergekommen …:

Ein Branchenkollege diskutiert gerade in einem Blogpost die Frage Facebook oder eigene Website.  Ich hatte dazu folgendes Kommentar:

Facebook hat erst unlängst bewiesen, dass sie unberechenbar sind und ohne Vorwarnung Betreibern touristischer Fanpages (Innsbruck, Wien) diese mittels lapidarer E-Mail ENTZOGEN!!!

Sie bieten zwar an dagegen Einspruch zu erheben – doch weg ist weg! Jetzt kann man darüber diskutieren ob die jeweiligen Tourismusverbände denen die Seiten übertragen wurden (inklusive der FANS – was generell hinsichtlich Datenschutz höchst bedenklich ist) nun die stärkeren Markenrechte besitzen oder nicht (WER BESITZT DENN EIGENTLICH DIE MARKE INNSBRUCK und WIEN???).

FATAL in jedem Fall ist aber dass man dem Goodwill und der Einschätzung eines einzigen Unternehmens (möglicherweise sogar nur dem Gutdünken eines einzigen Mitarbeiters dieses Unternehmens) ausgeliefert ist.

DARAUF SEINE UNTERNEHMERISCHE EXISTENZ AUFZUBAUEN WÄRE SCHLICHTWEG BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHER SUIZID AUF RATEN!

Was ist geschehen?

Vor ein paar Tagen hat Facebook einem privaten Betreiber der Innsbruck Fanpage dieselbe entzogen und Innsbruck Tourismus übertragen. Innsbruck Tourismus besitzt nun seit neuestem Vanity URL und 17.000 Fans der bisherigen Innsbruck Fanpage von Admin Hannes Treichel.

Möglicherweise inspiriert durch zahlreiche Kommentare, Meinungen und Kritik über die Vorgangsweise im Social Web wurden im Laufe  des vergangenen Wochenendes auch Betreiber von Facebook Pages mit dem Namen Wien/Vienna/… per lapidarer Nachricht (siehe Bild oben) informiert, dass ihnen die Website entzogen wurde. Falls Einwände vorliegen würden könne man ja dagegen Einspruch erheben. Der nächste Schritt: Die Userzahlen der Facebook – Page von Wien Tourismus schnellt unfassbar rasch von ein paar Tausend auf 143.000 in die Höhe … – die Fans wurden somit gleich mittransferiert – egal ob diese das wollen oder nicht.

Ich habe gerade mit meinen KollegInnen bei Wien Tourismus telefoniert um deren Version der Geschichte zu erfahren – Ergebnis: Sie sind selbst von der überschnellen Vorgangsweise Facebooks überrascht. Schwierig für die KollegInnen von Wien Tourismus ist nun zu vermeiden, dass ungewollt entsprechende Negativ-PR durch Kommentare oder Posts wie diesem entstehen.

Mein Fazit:

  • Wien Tourismus (und möglicherweise auch Innsbruck Tourismus) haben alles richtig gemacht. Ich hätte an deren Stelle  auch versucht die bestmögliche Strategie zu finden – und mir dazu einen Experten in Form einer Social Web Agentur herangezogen. Die heutigen Reaktionen von Wien Tourismus sind sogar bemerkenswert und gehören vor den Vorhang (Begrüßung der Fans über Post, Interaktion über Fragen, persönliche Gespräche mit Online-Multiplikatoren durch Bereichsleiterin Waltraud Wolf)

Facebook Page Wien mit Post zur Zusammenführung mehrerer Wien-Seiten

  • Die Agenturen – naja – jeder versucht das Bestmögliche für seine Kunden herauszuholen. Ich habe meinen Kunden bereits empfohlen private Betreiber als unentgeltliche Multiplikatoren zu betrachten und selbst mit einem guten Content-Konzept treue Fans zu sammeln.
  • Die ungefragte Übertragung von Fans von einem Redaktions-Konzept zum Anderen durch Facebook ist datenschutzrechtlich grob fahrlässig, aus Usersicht absurd (Wien fokussiert internat. Gäste, die bisherigen Fanpages überwiegend nationale, hatten “Geheimtipps aus der Nachbarschaft” als Content-Konzept) und vor allem ein Bruch des Vertrauensgrundsatzes von Facebook-Mitgliedern: Menschen vertrauen Facebook behutsam und vertraulich mit ihren Informationen umzugehen. Facebook tritt diesen ungeschriebenen Grundsatz mit Füßen und überträgt persönliche Informationen ungefragt an Dritte (Profil, Interaktion, Interessen).
  • Ich bin einfach erschüttert über die Vorgangsweise des dzt. wohl wichtigsten Online-Unternehmens der Welt: Machtausnützung, Willkür und Ignoranz sind die Worte die mir zu diesem Monopolisten dzt nur einfallen. Auf dieser Basis stelle ich den Aufbau von Facebook-Pages, -Gruppen oder -Places als unternehmerischer Kommunikationskanal betriebswirtschaftlich in Frage: Viel Zeit, Geld und Energie wird in den Aufbau investiert ohne zu wissen ob die Facebook-Präsenz als Unternehmen auch morgen noch nutzbar ist.

Es gibt ja noch eine Menge anderer privater Betreiber von touristischen Fanpages, bin gespannt ob die Facebook-Zusammenführungs-Willkür noch eine Fortsetzung findet …

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24 Kommentare

  1. Andreas Ostheimer, 03.11.2010:

    Ärgerlich für die Betreiber der bisherigen Fanseiten, aber es war klar, dass Facebook irgendwann auf “Markenforderungen” eingehen muss. Das dies so geschieht ist überraschend (böse).
    Ich weiß, dass dadurch die Debatte Webseite vs. Facebook Page in eine neue Phase tritt – aus der Befürchtung, dass man Facebook-Seiten irgendwann “verlieren” könnte ist eine Tatsache geworden.
    Es werden noch weitere Fälle folgen, denn immerhin gibt es auch Webseiten die wegen der Inhalte gesperrt oder verändert wurden – es ist ja nicht neu und kein Zufall, dass wikipedia.de nicht so funktioniert wie es gedacht war…

  2. Hanspeda, 03.11.2010:

    habe auch 2 Seiten verloren. Eine Destinationseite, hier wurde einfach alles gelöscht und nicht übertragen. Schade um den User-Content. Dann noch die Seite von den Kastelruther Spatzen. Die wurde übertragen, samt Fans und Content. Extrem willkürlich…

  3. Monika Meurer, 03.11.2010:

    Wieso findest Du, dass Wien Tourismus alles richtig gemacht haben? Warum hat Wien denn überhaupt die Zusammenlegung beantragt???

  4. Hanf, 03.11.2010:

    eine tourismusorganisation deren aufgabe es ist touristen in Städte zu bringen, die wirtschaft damit zu fördern, sollten auch das recht haben die einzige offizielle fan page zu betreiben.

  5. Franz, 03.11.2010:

    Naja… die Vorgehensweise find ich mal ziemlich krass von facebook.

    Andererseits gibts auch Gerichtsurteile, im Bezug auf Markennamen bzw. Webadressen welche dem Markennamen eindeutig zuordenbar sind. Von daher könnte ich mir vorstellen, dass man das bei Facebook Fan Pages gleich sehen könnte. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass hier der Richter Facebook ist….

  6. gerhard, 03.11.2010:

    Danke für den Bericht. Dass Facebook mit dem Sperren und Ansuchen von Meldungen von Markenverletzungen sehr eigenwillig vorgeht ist hier, wie auch bei zahlreichen anderen Fällen zu sehen. Allerdings eine willkürliche Übertragung der Seite zur Wien Tourismus – das glaube ich nicht. Ich gehe stark davon aus, dass Wien Tourismus die Wien Seite beansprucht hat, vermutlich ganz einfach über “Seite melden -> Ist dies dein geistiges Eigentum”.
    Wenn das so ist, dann gibt es in jedem Fall einen rechtlichen Ansatzpunkt gegenüber Wien Tourismus, denn das denen der Name Wien zusteht, ist rechtlich nicht geklärt. Ich würde rechtlich dagegen vorgehen, zumal man bei anderer Facebook Willkür sehr schnell ein Retour seitens FB sehen konnte, sobald das öffentlich bzw. rechtlich diskutiert wird.
    Jeder der ein vermeintliches (Marken)Recht beansprucht und schlussendlich dieses Recht nicht hat, muss mit entsprechenden Konsequenzen rechnen, wie Schadenersatz, Gerichtskosten, Anwälte etc. Also Vorsicht, wenn jetzt wahllos das geistige Eigentum oder Markenrecht in Facebook oder sonstwo eingefordert wird!

  7. clawo, 03.11.2010:

    warum geht man / sprich facebook davon aus dass ein tvb der offizielle vertreter einer stadt /destination ist ? die soviel MEHR als NUR ein reiseziel ist : studenten, einwohner, künstler … nachvollziehbar die sachlage bei einem unternehmen wie nike, redbull, lacoste oder bei künstlern, produkten etc. aber bei einer stadt? … bei einer region / destination oder auch bei einem berg, einem gebiet usw bin ich dafür: wer zuerst kommt malt zuerst … was passiert eigentlich wenn der landeshauptmann die innsbruck fanpage gerne mal für sich hätte? oder madame la bürgermeisterin … ?

  8. Peter, 03.11.2010:

    Ganz ehrlich, ich finde das super!

    Kann ja nicht sein, dass irgendwelche “Domaingrabber” jetzt mit Facebook noch eine weitere Plattform für dreckiges Geld bekommen. Nichts anderes ist das in meinen Augen. Das es Härtefälle geben wird und nicht jeder Profit damit machen will, ist klar, das es Datenschutzrechtlich bedenklich ist, auch. Generell finde ich das Vorgehen aber legitim. Immerhin muss man beim Erstellen einer Page bestätigen, dass man dazu berechtigt ist. Darum soll sich niemand wundern, wenn die Seite plötzlich weg ist.

  9. Markus, 03.11.2010:

    Davon habe ich jetzt bereits schon mehrfach gehört. Erst wird dieser Service angeboten und dann werden die Inhalte gelöscht, was ich ziemlich ärgerlich finde, schließlich ist das Ganze ja auch mit Arbeit verbunden. Mal abwarten, was aus der ganzen Sache noch wird.

  10. Bodenseepeter, 03.11.2010:

    Ich wüsste gerne wie es sich rechtlich verhält, wenn mir eine Seite weggenommen wird, für die ich zuvor innerhalb von Facebook kostenpflichtig geworben habe. Weiß das jemand?

  11. Fürnhammer Dietmar, 03.11.2010:

    Grundsätzlich finde ich es schrecklich wie FB mit den Betreiber der FB-Seiten umgeht. Jedoch finde ich die Idee der einheitlichen Destinationsseite nicht schlecht. Somit muss der Gast nicht die einzelnen Seiten durchklicken um letztendlich die eigentliche Seite der Destination zu finden (zB. Salzkammergut (sind jetzt nur mehr zwei, waren vor einiger zeit aber noch mehr)).
    Ich nehme an der Gast sucht nur einmal nach der Destination und wird Fan um während der Urlaubsplanungsphase interessante Informationen zu bekommen. Danach wird er wahrscheinlich Fan bleiben und sich nicht nach aktuelleren Gruppen umsehen. Wird die Seite jedoch nicht von einer offiziellen Destination betreut sonder von einer Privatperson besteht die Gefahr, dass hier nicht mehr aktueller Content produziert wird und der Gast somit nicht mehr informiert wird.
    Mag sein dass ich mich irre, ich jedenfalls suche nicht nach einem Urlaub nach anderen aktuelleren/offiziellen Fanseiten.

    Besser wäre es doch wenn es eine quasi “Dachseite” gibt unter der dann die eigenen Special-Interest-Seiten erscheinen (zB. Advent im Salzkammergut, Salzkammerguttrophy usw) die aber von den eigenen Betreiber mit Content befüllt werden (und somit unentgeltliche Multiplikatoren sind)

    Zur Frage wem eigentlich die Marken gehören, nun ich würde sagen den Stakeholdern und die sind wir eigentlich alle. Jedoch (und das ist jetzt nur eine Annahme von mir) denke ich, dass die TV mehr Kapital und Nutzen aus der Marke schlagen können als Privatpersonen.

    MfG

  12. martin, 03.11.2010:

    @bodenseepeter Auf Markus Roskos Blog hat Rechtsexperte Carsten Ulbricht folgendes geantwortet: “Ob auf Facebook vorher für die Seite kostenpflichtig geworben worden ist, dürfte an der rechtlichen Beurteilung der Sache grundsätzlich nichts ändern.” Hier der Link: http://networkedblogs.com/a2KGc

  13. martin, 03.11.2010:

    @Peter Domaingrabbing – da bin ich auch ganz klar deiner Meinung. Allerdings geht es hier nicht um Domaingrabbing, sondern unterschiedliche Konzepte zu unterschiedlichen Zeitpunkten realisiert. Zum Beispiel fokussiert Wien eben auf internationale Gäste, zumindest 2 der betroffenen, gelöschten Seiten fokussierten aber den Wiener selbst. Wenn du ein Snowboard Fan des SalzburgerLandes bist, von Inseln, von Badeurlaub an Seen etc. war und ist es von Facebook gewünscht als Privater, Unternehmen, Verein etc. eine entsprechende Fanpage zu betreiben. Sie nachträglich zu entziehen weil plötzlich ein Unternehmen Badeurlaub einen Markenanspruch darauf geltend macht ist aus meiner Sicht – Willkür und nicht nachvollziehbar.

  14. martin, 03.11.2010:

    @Peter ach ja – und CLAWO gibt dazu auch eine gute Antwort …

  15. martin, 03.11.2010:

    @monikameurer Weil Sie sich an einen Profi mit dem Ziel der optimalen Beratung gewandt haben anstatt selbst ohne Detailwissen zu agieren. Wie sie dann plötzlich am Feiertag realisiert haben daß die Anzahl der Fans steigt haben sie sich mit der Agentur beratschlagt und mit dem Kommentar und Dialog die “neuen”, unfreiwilligen Fans begrüßt (übrigens ist es bemerkenswert und für eine Tourismusorganisation ja durchaus nicht üblich an Feiertagen Marketingaktivitäten zu überwachen). Laut Auskunft von Wien Tourismus wurde aktiv von ihrer Seite die Zusammenlegung ja nie beantragt – ihre Agentur hatte in einem Meeting mit Facebook ein paar Tage zuvor nur ein paar “Fragen” zur Thematik gestellt. Und Facebook hat die Fragen sichtlich auf ihre Art und Weise beantwortet: Löschung von Wien-Seiten und Übertragung der Fans an eine dritte Organisation. OHNE WIEN TOURISMUS DARÜBER PERSÖNLICH ZU INFORMIEREN. Und das finde ich so unfassbar und rechtlich äußerst bedenklich. Und schließlich ist Wien Tourismus bemüht mit mir und anderen Bloggern persönlich und offen über das Thema zu sprechen. Das finde ich einfach gut. Interaktion und Dialog im Social Web muss nicht immer ebendort stattfinden, siehe Barcamps oder eben persönliche Telefonate mit Multiplikatoren im Web.

    Ob ich als Agentur von Wien Tourismus ebenso gehandelt hätte? Kann und will ich hier nicht mehr kommentieren als schon oben im Blogpost: ich habe meinen Kunden empfohlen die privaten Betreiber von Fanpages ihrer touristischen Marke als kostenlose Multiplikatoren zu betrachten und nur Einhalt zu gebieten, wenn diese sich als mein Kunde ausgeben. Einer davon hat dies getan, wir haben bei Wiederholung rechtliche Schritte angekündigt, seitdem passt auch dessen Vorgehensweise.

  16. Götz A. Primke, 03.11.2010:

    Moin Martin,

    auf der Facebook-Seite bei Hannes Treichl hatte ich zur Causa Innsbruck ja schon Stellung bezogen.

    Ich finde es ähnlich wie Du bedenklich, wenn so etwas geschieht. Und vor allem wie es geschieht. Das ist pure Willkür.
    Zum anderen aber verhält es sich ggf so, wie zu Geburtszeiten des WWW, als jeder versuchte diverse Markennamen bzw Städtenamen zu sichern. Hier wurde ja auch eingeschritten, so dass – zumindest in .de – Namen und Autokennzeichen von Städten nicht in die Hände von Privatpersonen fallen können.

    Doch wie verhält es sich mit touristischen Regionen? Zumal, wenn es mehr oder weniger Kunstnamen sind? Ich denke hier (ohne schlafende Hunde wecken zu wollen, aber das Bsp passt einfach) an das “Rosenheimer Land”, die Gegend zwischen München und Chiemgau. Ein Kunstbegriff, der nie funktionierte, weil es so nicht wahrgenommen wurde, eher als Teil des Chiemgaus oder so. Die Seite http://www.facebook.com/RosenheimerLand ist ebenfalls (noch?) in privater Hand. Die TMO löst sich wohl sowieso auf, oder ist sie es schon? Wer will das entscheiden? Wieder mal die Gerichte? Oder die Willkür von Hr Zuckerberg bzw seiner Jünger in Hamburg oder so?

    Ich stimme Dir zu, jeder, der sich als “Fan”, als Unterstützer einer Region, einer Stadt bekennt und – wie Du es geschildert hast – spezifische Interessen abdeckt, der sollte sich fragen, ob er es noch an den gewissermassen eigentlichen Anspruchsinhaber verkaufen kann, die Arbeit einstellt oder volles Risiko eingeht, die FB-Seite künftig zu verlieren.

    Servus,
    Götz

  17. Markus Hübner, 03.11.2010:

    Hier der Link zum Beitrag mit einer kurzen Stellungnahme von Facebook zur Causa Innsbruck und Wien: http://facebookmarketing.de/allgemeines/der-fall-innsbruck-und-der-fall-wien-facebook-willkur

  18. Hendrik Maat, 03.11.2010:

    @ Markus Hübner: Eine Stellungnahme von Facebook habe ich dort nicht entdecken können. Du weisst Facebookmarketing.de ist nicht gleich facebook?

    @ all: Ich finde das wenn es geht um nicht-touristische belangen, so wie ein par mal in den Kommentaren beschrieben, sollten die Gründer dieser Seiten sich über Gruppen gedanken machen! Offensichtlich liegt ein großer Unterschied zwischen eine Unternehmensseite mit kommerziellen karakter und eine Gruppe, wo “lokale” sich unterhalten können über Geheimtipps, Vermietung usw.

  19. martin, 04.11.2010:

    @Hendrik Maat Ich habe auch schon Ihr Kommentar auf facebookmarketing.de gelesen, kann Ihre Meinung teilweise auch nachvollziehen. NUR: Zumindest 2 der betroffenen Wien-Seiten bestanden schon viel länger seit Facebook zuletzt die Nutzungsbedingungen geändert und kommerzielle Seiten für Unternehmen ermöglicht hat.

    Ich finde den Vorschlag NICHT gut Gruppen anstelle von Pages zu verwenden – der Zugang zu einem THEMA sollte jedem Facebook-Mitglied offen sein. Egal ob Community, Organisationen, Private oder Unternehmen das Thema über eine Facebook Seite bespielen. Würde Facebook Pages nur durch Unternehmen betreiben lassen gäbe es wohl nur einen Bruchteil davon, oder was meinen Sie?

    Noch eine Frage an Sie: Tourismusorganisationen sind in der Regel öffentliche, NICHT-KOMMERZIELLE Organisationen. Warum bekommen diese dann “kommerzielle Seiten” zugesprochen? Denken Sie nicht auch, dass Tourismusorganisationen wohl in den wenigsten Fällen auch Markenrechte auf Städte-, Destinations- oder Ländernamen besitzen?

    Nur zur Info: Ich bin KEIN Betroffener, mir wurde kein Zugang entzogen. Ich bin einfach überrascht, dass Facebook selbst – als Paradebeispiel für ein Social Media Instrument – NICHT SELBST DEN DIALOG SUCHT, mit minimalster und einseitiger Prüfung angebliche Markenrechtsverletzungen entscheidet. Dieses Vorgehen finde ich … – willkürlich. Und nicht förderlich hinsichtlich touristischer Kommunikation. Und diese bei meinen Kunden zu verbessern ist mein Job. Deshalb auch dieser Beitrag.

  20. Judith Denkmayr, 04.11.2010:

    Ich hab da meine eigenen Interpretation der Geschehnisse. Facebook versucht sich mit vielen Geschäftsmodellen und am besten funktionieren sich die Display Ads- selbst Google prophezeit gerade wieder das Revival der display ads.
    Private Seitenbetreiber von großen Seiten wie Innsbruck und Wien schalten keine Werbung – Tourismusverbände schon eher.
    Selbiges hat Facebook anscheinend mit Anbietern von Online Games (Poker uä) gemacht: Wer keine Ads schaltet, darf keine Facebook Page haben.
    Auch bei Netlog ist das Geschäftsmodell immer schon “Mediawert” gegen “Markenpräsenz” gewesen.
    Das rechtfertigt natürlich nicht die Art, wie die Facebook das alles durchsetzt und durchführt.

  21. Ulla, 04.11.2010:

    Hallo,
    ich verstehe auch nicht, warum ich als FAN einer Stadt/einer Region/eines Künstlers nicht für diese Stadt “werben” darf. Die Stadt/Region/Künstler selber ist doch eigentlich nicht ihr eigener FAN??? Und die Dinger heißen doch immer noch FANpages, oder?
    Und was mache ich, wenn eine Stadt “ihren” Namen beansprucht und dann kaum postet, weil sie keine Zeit/keine Ideen und kein Personal hat?
    DAS würde mich dann erst recht ärgern.

    Betrifft Urlaubsvorbereitungen: ich würde lieber auf einer Fanpage von privaten Leuten lesen, wie die Stadt so ist, was sie zu bieten hat. Was die Stadt selber dazu sagt, kann ich auch auf deren Homepage lesen. Was die Einwohner dazu sagen aber nicht. Und das ist vielleicht manchmal viel wichtiger.
    Ulla
    (nicht Betroffene)

  22. martin, 05.11.2010:

    @Judith – Sehe ich auch wie du und gar nicht kritisch: Facebook soll ja Geld verdienen. Das wollen private Tourismusorganisationen wie z.B. Reiseveranstalter, Hotelvermittler, Online Tour Operators auch – ich sehe nur nicht ein warum z.B. die TUI nicht eine Facebook-Seite “Italien” gründen und redaktionell betreuen sollte. In Katalogform machen Sie das ja auch und keinem stört das …

    @Ulla Das ist ja gerade die Crux an der Sache: Der Erfolg des Social Web und allen voram von Facebook ist, dass Menschen wie du und ich online kommunizieren. Sowohl privat wie auch unternehmerisch. Ich begrüße auch, daß Unternehmen von diesem Erfolg partizipieren können. Menschen treten aus der Anonymität von Unternehmens-Marken heraus, kommentieren mit persönlicher Note Usermeinungen persönlich und offen als “Mitarbeiter” des Unternehmens. Die beste Unternehmens PR die es geben kann – Online PR halt.

    Jetzt stellt Facebook Regeln auf um diese Online-PR in geordnete Bahnen zu lenken, Trittbrettfahrer zu vermeiden. Das ist auch gut so. Allerdings wollen viele User lieber authentische User-Meinungen von anderen Konsumenten lesen/hören/erleben als “geschönte” Werbe- und PR-Texte konsumieren. Das hat zum Entstehen von Tourismus-Fanpages geführt – gegründet aus ideellen oder kommerziellen Interessen und ohne Stützung durch öffentliche Budgets. Dann wird nach Monaten des Aufbaus dieser Seiten die Arbeit zerstört und einem Dritten (TVB) übertragen, der komplett andere Zielsetzungen verfolgt. Eigenartig, denn bei den betroffenen Seiten ist es gelungen Interaktion der Fans zur Stadt zu erzeugen, es lag zweifelsohne auch unternehmerische Tätigkeit vor und eine Markenrechtsverletzung von Städte- oder Destinationsnamen müsste erst einmal juristisch durchgefochten und bewiesen werden.

    Wie auch immer. Die große Diskussion des Themas im Social Web hat mir wieder einmal bestätigt dass die Art der Public Relation und Online Kommunikation sich unwiderruflich verändert hat. Danke an alle LeserInnen und Kommentar-GeberInnen, VerlinkerInnen und Facebook-PosterInnen bzw. Tweets die zu diesem Blogpost verfasst und abgesandt wurden.

    Die Geschichte geht weiter. Facebook denkt über ein Roundtable – Gespräch nach. Das ist gut so. Und Facebook überträgt auch munter weiter an touristische Organisationen. Das ist weniger gut. Ich werde aber weiter dranbleiben um mein Ziel zu erreichen mehr Gäste in Tourismusregionen zu bringen die meine KundInnen sind. Egal wer die Betreiber von gut gemachten Fanpages auch sein mögen … .

  23. martin, 05.11.2010:

    Und weiter geht die Geschichte – in Südtirol: Kronplatz und Pustertal …
    http://www.facebook.com/pustertal

  24. Sechs Punkte zur MuseumsQuartier – Fanpage Übernahme « Digitale Spielereien, 04.04.2011:

    [...] offiziellen Seiten übertragen worden. Dass dies mitunter sehr schnell geschehen kann, war auch im Fall der Wien Tourismus Page so. In manchen Fällen verursacht dieses Vorgehen eher ein laues Lüftchen, [...]