“Man kann nicht nicht kommunizieren.”

(Paul Watzlawick, Kommunikationsexperte und Philosoph)

Jedes Tourismusangebot spricht für sich selbst. Im besten Fall positiv.

24.11.2010

Ästhetik des Angemessenen – Gekonnter Paarlauf von Kommunikation und Entwurf

Vortragsnotizen 18.11.2011

LX3 – Landscape from Outer Space – die Vortragsreihe des ÖGLA (Österreichische Gesellschaft für Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur), die an vier Abenden im Zumtobel Lichtforum in Wien stattfand, endete vergangenen Donnerstag mit dem Vortrag des Berliner Landschaftsarchitekturbüros Bernard und Sattler. Stefan Bernard, der gemeinsam mit Prof.Hans Loidl das leider vergriffene Standardwerk FREIRÄUMEN (Birkäuser-Verlag, 2003) verfasste, bewies in seinem Vortrag erneut, seine Leidenschaft für die Entwurfstheorie. Ein paar seiner Ausführungen seine in diesem Blogartikel wiedergegeben.

Bernard propagierte die “Ästhetik des Angemessenen”, die durch eine strukturierte Entwurfsarbeit erreichbar ist, die sich auf einen intensiven DIALOG und das ENTWERFEN selbst stützt. Er nennt diesen gekonnten Paarlauf “dialogisches Entwerfen”. Das Kommunizieren, Zuhören und Beobachten führt zu mehr Verständnis für den gewählten Lösungsansatz. In der intensiven Kommunikation wird die Haltung zur gestellten Aufgabe ebenso wie die Methodik, die zur vorgeschlagenen Freiraumgestaltung für alle Beteiligten und entscheidenden Akteuere transparent.

Bernard und Sattler machen aus Ihrer Vorgehensweise beim Entwerfen ihrer Projekte kein Geheimnis:

(1) Am Beginn der Arbeit steht das wertfreie (!) Ergründen des Ortes, seiner Geschichte und Geschichten sowie seiner Potentiale.  Sammeln und Spüren lautet ihr Credo in dieser Phase des Entwurfsprozesses. (2) Nachdem sie sich Orientierung in der Fülle an Informationen verschafft haben, entwickeln sie ihre persönliche Haltung zum Raum und fokussieren auf ein Entwurfsthema (3), um sich danach ein “Bild zu machen” (4). Mit diesem grafisch festgehaltenen Entwurfsansatz suchen die Landschaftsarchitekten den Dialog mit den Entscheidungsträgern  - Kommunikation und Vereinbarungen bestimmen diese Phase (5). Erst dann komponieren die Entwerfer die Architektur des neuen Freiraumes (6).

Routinierten Entwerfern aller Designsparten mag jetzt ein “eh klar” durch den Kopf gehen. Mal ehrlich – die konsequent strukturierte Vorgehensweise so klar vor Augen zu haben und auch auf diesem Weg zu bleiben, bleibt dennoch große Kunst. Ich fasste den Vortrag jedenfalls als große Motivation für meine eigenen Arbeit an Tourismusprojekten in der Landschaft auf. Im Unterschied zu “reinen” Landschaftsarchitekturprojekten spielen die Marke der Destination und die Bedürfnisse der Urlaubsgäste eine wichtige Rolle beim tourismusorientierten Experience Design.

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