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“Man kann nicht nicht kommunizieren.”

(Paul Watzlawick, Kommunikationsexperte und Philosoph)

07.09.2010

Wieviel Speed verträgt der Urlaub in den Bergen?

Foto: DoNut+ flickr

Unlängst, bei einer Bergtour in den Schladminger Tauern, traf ich am Gipfel des Waldhorns einen Hotelier und kam mit ihm über das Für und Wider von All-inklusive-Gästekarten ins Gespräch. Erstmals 2008 diskutierte ich mit einem Tourismusvereinsobmann in der Destination Schladming-Dachstein, wie wichtig es wäre, die Besucher eines Berges länger dort zu binden, anstatt nach erfolgtem Konsum auf den nächsten Gipfel loszulassen. Seit der Einführung der All-inklusive-Card hatte ein regelrechter “Run” auf die Berggipfel, Schluchten und sonstige Erlebnisorte eingesetzt: Vormittags mit der Seilbahn bergwärts, oben eine halbe Stunde rumspazieren, Panoramablick, in der Hütte mittagessen, rasch wieder die Talfahrt antreten, dort ins Auto und ab zur nächsten Seilbahn, denn nachmittags sollte noch die Aussicht vom nächsten Berg genossen werden.

Klar, wir hatten unterschiedliche Motive, uns diese Frage zu stellen. Mein Auftraggeber (genauer gesagt der Auftraggeber von freiland Umweltconsulting ZT-Gmbh, wo ich damals noch angestellt war) stellte sich die Frage aus monetärer Sicht, ich hatte das Gästeerlebnis vor Augen. Wir waren uns jedenfalls in einem wesentlichen Punkt einig: Das aufgrund des Gratis-Angebotes angestachelte Abklappern der Berge führt zu einer unnatürlichen Geschwindigkeit im Urlaub, die es zu hinterfragen gilt. Bewusst oder unbewusst wissen die Gäste, dass sie die Kosten der Gratis-Angebote in ihrem Hotelpreis mitbezahlen. So entsteht das Bedürfnis, den Preis möglichst gut auszunutzen. Hat man die wichtigsten Berge einer Region abgehakt, bleibt wenig offen für den nächsten Besuch. Gefühlsmäßig hat man ja bereits “alles” gesehen. Die Menschen in der Region wissen nur zu gut, das dem nicht so ist!

Genau betrachtet werden die Erfahrungen, die in einem halben Tag am Berg gemacht werden können, auf ein Minimum eingeschränkt: Fahrtzeiten, Essen, Ausblick, kurzer Spaziergang oder ein spezielles Erlebnisangebot (Kinderspielpark, Themenweg, Hängebrücke, Aussichtsplattform), das im Nahbereich der Bergstation für Unterhaltung sorgt. Bei gleichzeitig kürzer werdenden Aufenthaltszeiten in einer Region (durchschnittlich 3-4 Nächte) bleibt genau das auf der Strecke, was einen Urlaub zu einer intensiven, erinnerungswürdigsten Erfahrung machen kann: Das GANZ Eintauchen in eine Aktivität, in die Landschaft, in den Ort. Was bedeutet, nicht nur das Offenkundige und Naheliegendste zu konsumieren, sondern auch Terrain zu entdecken und mehr darüber zu erfahren. (So nebenbei wieder einmal eingeworfen: Experience Design ist das neue Marketing im Tourismus. Der Gast, der beseelt von seinen Urlaubserfahrungen auf diversen Online-Plattformen oder im Freundeskreis erzählt, macht die wirksamste Werbung. Daher führt kein Weg vorbei, sich damit zu beschäftigen, was eine echt gute Experience ausmacht!)

Vermieter und Tourismusinfo können dem Highspeed-Urlaub am direktesten entgegentreten. Sie können Empfehlungen abgeben, wie sie ihren Tag am Berg gestalten könnten, in dem Bewusstsein, dass Gäste eher wiederkommen, wenn sie eine Bindung zur Landschaft, zum Ort aufbauen. Tourismusorganisationen, Seilbahngesellschaften und andere Institutionen, die Sommerangebote in den Bergen entwickeln (lassen), sind gut beraten, ihre Produkt ganzheitlicher zu betrachten. Welche Aktivitäten und Orte gilt es sinnvollerweise zu vernetzen und dann auch so zu kommunizieren? Die Customer Journey rund um das Angebot ist in der Projektentwicklung zu mitzudenken, um bereichernde und gleichzeitig entschleunigte Gästeerfahrungen zu kreieren.

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