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(Paul Watzlawick, Kommunikationsexperte und Philosoph)

02.08.2010

Die gute Reiseerfahrung – 7 Thesen.

Smalltalk über Fußball

Während meiner einmonatigen Reise durchVietnam tauchte ich wieder einmal ganz in die Rolle des Travellers ein. Mit auf die Reise nahm ich natürlich meine Neugier, was denn eine gute Reiseerfahrung ausmacht. Denn schließlich benötigen wir im Experience Design Anhaltspunkte, was der Gast braucht, um erfüllt von seinem Urlaub zurückzukehren und davon zu erzählen. Abseits von wissenschaftlich erforschten Kriterien hier meine sieben persönlichen Thesen zur guten Reiseerfahrung – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

1. Bekanntes und Neues: Das richtige Verhältnis zwischen Sicherheit und neuen Erfahrungen. Im Experience Design ist es wichtig festzulegen, für welche Zielgruppen ein Erlebnisangebot geschaffen wird und abzuschätzen, wie weit sich diese Menschen aus ihrem gewohnten Leben “hinauslehnen” wollen. Seine eigenen Grenzen übertreten und sich selbst neu erleben kann der Reisende auf unterschiedliche Weise. Für den einen ist die Flusswanderung im Dschungel auf eigene Faust keine große Herausforderung, andere betreten neues Terrain lieber mit einem erfahrenen Guide. Tirol Werbung und Swarovski Optik haben mit Nature Watch ein Produkt kreiert, das nach dem Motto “Entdecke das Unsichtbare” geführte Touren anbietet. Auch das naturschauspiel.at des Oberösterreich Tourismus setzt auf eine Inszenierung mit Guides. Experience Design unterstützt Gäste dabei, zumindest ein wenig die gewohnten Grenzen zu überwinden und  sich auf kontrollierte Abenteuer zu begeben.

2. Rhythmuswechsel: Ein Urlaub ist für viele Menschen eine willkommene Zeit zum Ausschlafen. Unterschätzt wird meist das Erlebnispotential, das in unüblichen Aktivitätszeiten liegt. Eine spannende Nachtbeobachtung von Tieren oder ein stimmungsvolles Sonnenaufgangsfrühstück am Berg wie z.B. das Skywalker Frühstück am Dachstein wiegt bei erlebnishungrigen Menschen die kürzere Nachtruhe  auf.

3. Begegnungen: Gleichgesinnte treffen und mit Menschen, die vor Ort leben, ins Gespräch zu kommen. Begegnungen zu initiieren, geeignete Orte und Gelegenheiten anzubieten, die Gleichgesinnte zusammenbringen, sehe ich als wichtige Aufgabe im Experience Design. Je klarer sich ein Angebot an ein bestimmtes Gästemilieu richtet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen mit ähnlichen Interessen und Werten einander begegnen.

4. Lernen: Der Abstand vom Alltag eröffnet Raum für neue Erkenntnisse und  Inspiration für sein eigenes Leben. Gutes Experience Design integriert  das Bedürfnis  von Reisenden im Urlaub auch lehrreiche Erfahrungen zu machen.

5. Mobilität: Das unkomplizierte und schnelle Erreichen von Ausflugszielen und Sehenswürdigkeiten und das flexible Auskundschaften des Urlaubsortes ist für viele Reisende ein Schlüssel zur Zufriedenheit. Mit Elektrorädern und e-Scootern eröffnen sich für öffentlich schlecht erschlossene Urlaubsregionen neue Chancen zur Verbesserung der individuellen Mobilität der Gäste. Mehr Initiative ist allerdings auch von Seiten der Tourismusverbände und Vermieter bei der Information über öffentliche Verkehrsmittel gefragt. Besucher benötigen konkrete Empfehlungen, wie sie ohne eigenes Auto die Region erkunden können.

6. Orientierung und Landkarten im Kopf: Christian Mikunda,  österreichischer Inszenierungspezialist, betont in seinem Buch “Der verbotene Ort oder die inszenierte Verführung” die Bedeutung von Landkarten im Kopf der Konsumenten beim Shoppen in großen Einkaufszentren. Gleiches gilt für den Tourismus. Der Reisende bewegt sich überwiegend  in Teilräumen der Urlaubsregion, nämlich in Bereichen der Ankunft und Abfahrt, Beherbergung,  in attraktiven Ortsbereichen, im Bereich touristischer Attraktionen und Aktivitäten. Der Unterschied zwischen rein geografischer Orientierung im Urlaubsort und der Erlebnislandkarte benötigt mehr Beachtung im Service Design (persönliche Beratung, Kartographie, Grafik). Die Landkarte im Kopf gibt dem Besucher das Gefühl der Kontrolle über den Aufenthaltsort und spielt auch in der nachträglichen Urlaubserinnerung eine große Rolle.

7. Täglich ein erzählbarer Erlebnishöhepunkt: Dabei ist keineswegs das Abklappern von Sehenswürdigkeiten oder die Jagd nach Attraktionen und Aktivitäten gemeint, sondern die Überzeugung, eine wertvolle Zeit zu verbringen.  In der Reflektion eines Tages wird fassbar, was man an einem Tag an Besonderem, Überraschendem, Erinnerungswürdigem erlebt hat. Neue Medien wie facebook, reiseblogs und die Fotoplattform flickr lösen dabei  zunehmend das Urlaubs- oder Reisetagebuch ab und unterstützen den Gast dabei, The Best Of eines jeden Tages festzuhalten. Der internet-affine Gast begrüßt den Hotspot im Aussichtscafé, von dem aus die ersten Urlaubseindrücke auf online gestellt werden können. Andere bevorzugen das kleine Reisetagebuch Nachttisch im Hotel. Im Experience Design sollte dem Gast jedenfalls die Möglichkeit geboten werden, Rückblick und  Erzählen zu einem Teil seines Aufenthaltes zu machen.

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