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10.06.2010

Tourismusprodukte im Wettbewerb entwickeln – Teil 1

Wettbewerb: Eine Aufgabe - unterschiedliche Gestaltungslösungen.

Für viele Architekten und Landschaftsarchitekten gehört die Teilnahme an Wettbewerben zum Arbeitsalltag. Dieses strukturierte Verfahren zur Einholung der besten Gestaltungslösung ist in der Bauwirtschaft und Planerschaft weitgehend anerkannt. Regeln zur Ausschreibung und Abwicklung eines Architekturwettbewerbs sind im Vergabegesetz verankert, die Architektenkammer hat Leitlinien formuliert, bei deren Anwendung ein fairer Wettbewerb zu erwarten ist. PlanerInnen, die sich auf die Ausschreibung von Wettbewerben spezialisieren wollen oder als rechtlich kompetente JurorInnen auftreten wollen, können sich an der arch+ing Akademie ausbilden lassen. Wettbewerbsergebnisse werden auf online-Plattformen veröffentlicht. Bei komplexeren Aufgabenstellungen wird die Zusammenarbeit von Architekten mit Stadtplanern oder Landschaftsarchitekten vorgeschrieben. Bei aller Kritik, die immer wieder an durchgeführten Wettbewerben und an den Teilnahmebedingungen geübt wird – es gibt zumindest eine Wettbewerbskultur mit Richtlinien, Empfehlungen und Erfahrungen, der das Ziel zugrunde liegt, bei gegebenen Bedingungen die beste Gestaltungslösung zu erlangen.

Ich meine, dass nach diesem Vorbild Wettbewerbe auch in der touristischen Inszenierung Einzug halten sollten. Gelebte Praxis ist, dass ein Tourismusverband in wenigen Sätzen beschreibt, welches neue Erlebnisprodukt geschaffen werden soll, welches touristische Leitbild die Destination verfolgt, 500 € “Preisgeld” für die Teilnehmer. So der Fall, dass überhaupt eine Art strukturierte Ideensuche unter mehreren Anbietern initiiert wird.

Stolpersteine aus dem Weg räumen

Zugegeben, die  interdisziplinläre Aufgabe, das dramaturgische Inszenierungskonzept als auch deren räumlich-funktionelle Planung zu erarbeiten, stellt eine große Herausforderung dar. Das Dilemma, dass die  Jury von der “Geschichte” des Tourismusangebotes angetan, doch die  (Landschafts-)Architektur  in der Augen der Jury nicht  siegerwürdig ist, stellt den Stolperstein in so einem Verfahren dar.  Ich blicke zurück auf einen geladenen Wettbewerb, den ich 2006 für ein neues Erlebnisangebot in den steirischen Sölktälern ausgeschrieben hatte. Sechs Teams aus Architekten und Dramaturgen reichten ihre Vorschläge für die touristische Inszenierung des dort  vorkommenden Marmors ein. Die Grazer Architekturpublizistin Karin Tschavgova übte heftigst Kritik an der interdisziplinären Aufgabenstellung. Gute (Landschafts-)Architektur könne nicht gemeinsam mit einem dramaturgischen Konzept erarbeitet werden. Tatsächlich, es gab oben beschriebene Widersprüche bei der Beurteilung. An der Notwendigkeit,  Produktentwicklung im Tourismus durch Wettbewerbe auf fachlich hohem Niveau und mit Fokus auf den zukünftigen Gast zu etablieren, lasse ich dennoch keine Zweifel aufkommen.  Nicht das OB ist für mich zu diskutieren, sondern das WIE. In der Wahl der Wettbewerbsart, der Formulierung der Aufgabenstellung und im Bewertungsmodus liegt genug Spielraum,  touristisch-planerischen Widersprüchen vorzubeugen. Ein gefördertes Forschungsprojekt könnte mehr Licht in die Thematik bringen.

Vorschau auf Teil 2 zu diesem Thema: Was bringt der touristischen Organisation die professionelle Ausschreibung eines Wettbewerbes für die Produktentwicklung?

 

 

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