“Man kann nicht nicht kommunizieren.”

(Paul Watzlawick, Kommunikationsexperte und Philosoph)

Jedes Tourismusangebot spricht für sich selbst. Im besten Fall positiv.

05.05.2010

Inszenierter Wandel nach dem Bergbau

Relikt des Bergbaus sucht Platz in der Tourismuslandschaft!

Der Steirische Erzberg mit seiner bemerkenswerten landschaftlichen Prägnanz  beschäftigt mich. Der Bevölkerungsschwund in der Stadt Eisenerz infolge der Deindustrialisierung der Region verlangt nach Antworten, denn ein Rückgang der Einwohner um die Hälfte bedeutet, dass die halbe Stadt leer steht. Klarerweise kann Tourismusentwicklung eine solch gravierende demografische Veränderung nicht allein kompensieren und der Region im Alleingang zum Aufbruch in eine neue Zukunft verhelfen. Nur mit geballten Kräften aus Politik, Wirtschaft, Architektur, Landschaftsarchitektur, Kultur und Tourismus besteht Aussicht auf einen tragfähigen Strukturwandel vom Industriegebiet zum Qualitätsstandort. Die Initiative re-design Eisenerz im Auftrag Landes Steiermark forciert einen geordneten Stadtrückbau.

Erzbergrodeo 2009

Doch nicht die umfassende Beleuchtung des planvollen Schrumpfens ist hier mein Thema, sondern ein Beispiel für die nachhaltige touristische Nachnutzung einer industriellen Landschaft aus Frankreich, das ich als besonders gelungen erachte. Es bedient sich der Landschaftsarchitektur, um den Ort für die Besucher erlebbar und nutzbar zu machen. Und zugleich erhebe ich die Frage, ob auch “stille” Interventionen einen Beitrag zur touristischen Weiterentwicklung von Eisenerz leisten können, zumal mit dem spektakuläre Motocrossrennen erzbergrodeo, den wöchentlichen Live-Sprengungen und den Besuchertransporten mit Schwerlastkraftwagen eher den lauten, energiegeladenen Ressourcenabbau in der touristischen Angebotsentwicklung aufgreifen.

Der rote Geo-Trail: Geologie und Industriegeschichte sanft inszeniert

Les Sentirs des Ocres in Roussillon in der Provence (F) – im folgenden kurz Ockertrail genannt – wurde 2006  vom  französischen Atelier Lieux Et Paysages geplant und realisiert. Sensibel wurde die Erschließung in die Landschaft eingepasst und ermöglicht den Besuchern, die ehemals vom Ocker-Abbau geformte Berglandschaft zu Fuß zu erleben. Pinienholz und Cortenstahl dominieren die Gestaltung – Materialien, die nicht mit der Umgebung in optische Konkurrenz treten, sondern sich zurückhaltend einfügen. Ein respektvoller Zugang in ein das Erbe industrieller Produktion wurde geschaffen. Für die Besucherlenkung und Information wurde ebenfalls eine sehr klare, zurückhaltende Gestaltungssprache gewählt.

Ausgangspunkt des Ockertrails: Klares Design mit Cortenstahl und Pinienholz

Durch sensible Materialwahl und Form in die Landschaft gesetzte Brücke.

Fotos: Sylvain Bourdos, flickr

Das Landschaftserlebnis ist nur ein Teil einer umfassenden Inszenierung entlang der ROUTE DES OCRES, die einen Kontext herstellt zwischen landschaftlichen Ressourcen und kulturellen Besonderheiten. Die Herstellung von Ockerpigment, dem Rohmaterial für Künstler und Handwerk, wurde bereits eingestellt. Mit der Restauration der Mathieu Factory, dem Betrieb eines Ocre Conservatory und des Ockertrails wurde zusammen mit den historischen, roten Bergdörfern eine Abfolge von Erlebnissen in der Region für die Tourismusentwicklung in Wert gesetzt.

Ein tragisches Detail zur Ockerlandschaft möchte ich den LeserInnen nicht vorenthalten: Noch bevor der Bergbau einsetzte rankte sich schon eine Legende um die Entstehung des roten Gesteins. Einst trieb der gefürchtete Lord von Roussillon den Geliebten seiner Frau in den Tod, worauf sich auch diese mit einem Sturz von den Felsen das Leben nahm. Die Berge färbten sich rot mit ihrem Blut.

Es ist nicht zu verleugnen, dass der Erzberg weit rauher daherkommt als die liebliche, sonnige Landschaft der Provence. Dennoch sehe ich Bedarf, den Erzberg nicht nur als Rennstrecke und Erlebniswelt für Fun & Action bereit zu stellen. Diese Landmarke auf respektvolle Weise  für Bewohner und Besucher zu erschließen und Dimensionen spürbar zu machen, gäbe der Eisenstraße einen ruhigen, aber prägenden Eintritt in die von der industriellen Geschichte inspirierten Erlebnisangebote entlang der Eisenstraße.

Eisenerz hat einen langen Weg des Umbruchs vor sich. Ich wage zu behaupten, dass der  Gegensatz zwischen der natürlichen Bergwelt und dem industriell geformten Erzberg das Potenzial hat inszeniert zu werden. Sanfter Geotourism kann einen weiteren Beitrag zur Destinationsentwicklung leisten. Wie sehen andere das Thema?

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2 Kommentare

  1. Milena Findeis, 01.06.2010:

    In der Johanniterkapelle, Rheinfelden ist die MultiMediaInstallation “Verschwindende Gletscher” zu sehen. Sie endet dort am 24. Juni. http://www.zeitzug.com/index.php?option=com_content&view=article&id=507&Itemid=164

  2. Alina Morrison, 27.07.2011:

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